„Durch diese Arbeit wird die Bürgerenergie vor Ort gestärkt, dafür bedanken wir uns“

Unweit der Nordsee hat der Bürgerwindpark Reußenköge 1989 die erste Windkraftanlage errichtet. Anke Dethlefsen ist seit Anfang 2023 mit Dirk Ketelsen Geschäftsführerin.

Anke Dethlefsen (Foto: BWP Reußenköge)

Frage: Frau Dethlefsen, Sie arbeiten nebenberuflich als zertifizierte Wattführerin. Wie nehmen Sie die Energiewende in den Küstenregionen wahr?

Viele Gäste kommen in unsere Küstenregion, nach Nordfriesland.  Als Naturerlebnis ist eine Wattwanderung immer noch der „Klassiker“. Sie erfahren etwas über die Natur und die Region und sie erleben den Wind hautnah, der in den Windparks als Energiequelle genutzt wird. Gäste berichten mir, dass auch in ihren Wohnorten Windenergieanlagen stehen oder gebaut werden, die alle in Hand der großen Energiekonzerne sind. So kann ich mit Regionalstolz sagen, dass unsere Windräder in Nordfriesland Bürgerwindparks sind. Die Bevölkerung hat die Energiewende selbst in die Hand genommen. Die Bürgerbeteiligung ist hier besonders stark. Das schafft Akzeptanz und die Wertschöpfung bleibt direkt in der Region.

Beim Bürgerwindpark Reußenköge sind nahezu alle Einwohner der Reußenköge beteiligt. Wie gut funktioniert Bürgerenergie?

Energie in Bürgerhand zu bringen, ist in Nordfriesland weit verbreitet. Viele Windparks sind dort Bürgerwindparks. Seit dem Jahr 2000, als das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eine feste Einspeisevergütung sicherte, entwickelte sich die Windenergie in Reußenköge rasant. Mit jeweils spezifischen Beteiligungsschlüsseln konnten Einwohner ihre Anteile zeichnen. Die Akzeptanz stieg und nach sichtbarem wirtschaftlichen Erfolg stieg auch die Beteiligungsbereitschaft. Es gründeten sich mehrere Bürgerwindparks, die 2015 zu einem Bürgerwindpark Reußenköge GmbH & Co. KG verschmolzen. Wertschöpfung in der Region und darüber hinaus, sowie Akzeptanz sind die Überschriften der Bürgerenergie in Reußenköge.

Welche Maßnahmen sind Ihrer Meinung nach erforderlich, um die Windenergie in Deutschland zu stärken?

Persönlich finde ich einfachere Verfahren für Repowering-Maßnahmen an schon vormals genehmigten Standorten wichtig. Dazu muss Deutschland insbesondere Artenschutzmaßnahmen einheitlicher regeln. Ausweisung von mehr Flächen und klare Regeln zu Abständen in Ausschreibungen müssen ein Ziel sein. Ganz wichtig ist es, Speichertechnologien zu fördern. Strom, der nicht sofort ins Netz eingespeist werden muss, kann gespeichert und zu Zeiten verkauft werden, in denen der Preis höher ist. Einhergehend ist dann der Netzausbau zu beschleunigen, denn Stromtrassen und Verteilnetze müssen beschleunigt an den Ausbau angepasst werden.

Was hat Sie davon überzeugt, die Forschungsarbeit der Stiftung Umweltenergierecht zu unterstützen?

Beirat und Geschäftsführung des Bürgerwindparks Reußenköge sind sich einig, die Arbeit der Stiftung Umweltenergierecht finanziell zu unterstützen. Die Stiftung ist politisch neutral, erarbeitet aber rechtliche Grundlagen, insbesondere für die erneuerbaren Energien. Sie gibt der Politik wichtige Signale, so dass Gesetze, die die Energiewende betreffen, rechtssicher und umsetzbar werden. Durch diese Arbeit wird die Bürgerenergie vor Ort gestärkt, dafür bedanken wir uns.